
Ein Jubiläum sei es bei Cultus in Dresden am 18. Oktober 2011 in der Messe Dresden, sagt der Journalist, Buch- und Filmautor Tilman Jens vor der genau hundertsten Lesung aus seinem Buch „Demenz - Abschied vom Vater“, 2009 geschriebenes Requiem auf die katastrophale Quintessenz des Lebens seines Vaters, Walter Jens, einst Symbolgestalt geistiger Eliten der westlichen Hemisphäre nach 1945. Der ehemalige Stern-Redakteur und ARD-Mitarbeiter ist es gewohnt, Tabuzonen bürgerlicher Werte offen zu legen und wurde auch schon zum „Vatermörder“ in der Literaturkritik abgestempelt. Promt folgte im Jahr 2010 sein Buch „Vatermord. Wider einen Generalverdacht.“ zum gleichen Thema. Und so liest Tilman Jens sublim und gibt Einblick in eine wunderbare Kindheit mit seinem prominenten Elternhaus, frei von angeblichen Traumata oder gescheiterten Vater-Sohn-Beziehungen. Im zweiten Teil der Lesung macht er einen gewaltigen Sprung hin zum Jahr 2004 und beschreibt, wie der Demenzpatient Walter Jens beginnt, sein familiäres Umfeld zu tyrannisieren.
Die Cultus gGmbH stellte im Jahr 2008 schon einmal ein Buch vor, welches den Widerspruch von geistiger Hochblüte im aktiven Leben und Alzheimer am Lebensende zum Thema hatte: Stella Braam: „Ich habe Alzheimer – Wie die Krankheit sich anfühlt”
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Hierin schreibt die Autorin ebenfalls über ihren Vater.
Das Publikum des Abends setzt sich vorwiegend aus jungen Leuten zusammen, die eine Ausbildung im Bereich der Altenpflege absolvieren, aber auch Angehörige dementer Patienten melden sich in der an die Lesung anschließenden Diskussion zu Wort. Es entsteht ein warmer Dialog.
Tilman Jens:
Demenz. Abschied von meinem Vater.
Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009, ISBN 978-3-579-06998-2
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